← Zurück zur Übersicht

Die Doppelmoral der „Menschlichkeits“-Apostel

Ist das eine Politik der Menschlichkeit?

Letzte Woche hat Sachsen-Anhalt gewählt. Die Umfragewerte haben bereits vor Monaten zu hitzigen Diskussionen gesorgt, sowohl in der Politik, als auch in den Medien. Umso verwunderlicher wirken nun die Reaktionen eines angeblichen Schockzustandes. Ebenso unaufhaltsam zeigt sich die Tiefe Verachtung gegenüber Menschen aus dem Osten und und gegenüber Wählern, die sich für die AfD entscheiden.

Menschen in Ost-Deutschland werden immer noch häufig als vermeintlich ungebildet dargestellt. Reportagen und Kommentare vermitteln den Eindruck, dass es den Menschen, gerade im ländlichen Raum an Bildung und politischer Reife fehle. Auch die Wahlentscheidung selbst wird anhand eines angeblichen Bildungsgrad gemessen. Immer wieder tauchen Studien auf die angeblich zeigen sollen, dass die Wähler der AfD zu den vermeintlich ungebildeten gehören. Es verleitet das Narrativ, dass diese Menschen nicht selbst entschieden hätten, sondern lediglich vereinnahmen lassen würden, man ihnen doch nur die Augen öffnen müsste und sie ebenso ihre gewählte Partei verachten würden.

Dabei übersieht man nicht nur, dass der Mensch einen freien Willen besitzt, man verkennt auch, dass solche Statistiken zeigen was die Mitte einer Gesellschaft wirklich möchte. Die meisten Menschen haben in Deutschland keinen akademischen Studiengang, sie haben einen mittleren bis guten Schulabschluss und eine entsprechende Ausbildung absolviert. Auch macht es sie keinesfalls politisch weniger kompetent. Für viele Medienschaffende, aber auch vielen Politikern der etablierten Parteien scheint es zum Alltag zu gehören die eigene akademische Blase als Maßstab zu sehen. Nur wem möchte man damit ansprechen?

Es ist genau diese Anfälligkeit die zu diesem Wahlergebnis geführt haben. Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen: Die AfD spricht Teile der Bevölkerung an, die sich von anderen Parteien nicht mehr vertreten fühlen, von Parteien die am Volk vorbei entscheiden mit der Begründung es angeblich besser zu wissen. Mit der einseitigen Belastung im Kampf gegen das Klima, der immer noch nicht vorhandenen Aufarbeitung der Corona-Krise, den immer stärker werdenden Vorgaben und Kontrollmechanismen und einer über Jahre viel zu unkritischen Migrationspolitik hat sich dieses Bild in der Bevölkerung zunehmend verfestigt.

Natürlich sollte man viele Punkte die, die AfD vertritt kritisch hinterfragen, besonders in Außenpolitischen und Sicherheitsrelevanten Fragen. Zeitgleich sollte man sich aber auch mit den Punkten auseinandersetzen, die die AfD in Sachsen-Anhalt so stark gemacht hat. Die stärkere Bürgernähe, die Urich Siegmund im Wahlkampf an den Tag gelegt hat ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Kritik CO₂-Bepreisung, die Auswüchse der Genderdebatten, die zunehmende Entfremdung zwischen Politik und Alltag sowie die massive Steuerlast die unsere Wirtschaft lähmt sind ebenso legitim wie verständlich.

Dieses Wahlergebnis muss nicht zufriedenstellend sein. Wir müssen es auch nicht inhaltlich nachvollziehen. Man sollte es jedoch akzeptieren und nicht als „undemokratisch“ brandmarken, geschweige denn völlig unsachliche Vergleiche zum Faschissmus und der Entstehung des Dritten Reiches ziehen. Eine Partei schlägt man nicht, indem man unbegründete historische Zusammenhänge konstruiert und damit eine wählende Bevölkerung brandmarkt. Solche Versuche erzeugen vor allem Einschüchterung und Schuldgefühle. Das ist kein Umgang auf Augenhöhe, sondern tiefe Verachtung.

In Sachsen-Anhalt lag die Wahlbeteiligung mit 77,8% auf einem Höchststand. Für die Demokratie ist dies ein eindeutig positives Signal. Demokratie bedeutet allerdings nicht, dass die Menschen das wählen, was man selbst für richtig hält.

Wer wirklich von Menschlichkeit spricht, der sollte damit beginnen den Menschen nicht pauschal seine Intelligenz und Würde abzusprechen. Das fördert keine offene Gesellschaft, es sorgt für eine immer tiefer werdende Spaltung in einem Land welche diese momentan am wenigsten gebrauchen kann.